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Wider die Kommerzialisierung weiblicher Ästhetik

Ein Kommentar der Mitglieder des Kunstkreises Karlsdorf-Neuthard

Wir freuen uns außerordentlich über das breite Echo, das die Skulptur "Botera" unseres Vereinsmitgliedes und Vorsitzenden innerhalb der Gemeinde und teilweise auch darüber hinaus hervorgerufen hat. Es ist ein positives Zeichen für eine innere Anteilnahme und Beschäftigung mit den Inhalten der Arbeit und der Kunst an sich. Besonders hervorzuheben, aber nicht überraschend ist das geteilte Echo, zu den vielen positiven Stimmen gesellten sich auch viele, die ihr Unverständnis und ihre Ablehnung der Arbeit ausdrücken, was für uns vollkommen verständliche Reaktionen sind. 

Bereits der Titel „Wider die Kommerzialisierung weiblicher Ästhetik“ gibt uns Hinweise auf den Hintergrund der Arbeit. Wir sind permanent umgeben von perfekten Models, ausgehungert und bis zur Unkenntlichkeit ge-Photoshoped bis auch das letzte Quentchen Persönlichkeit verloren ist. Alles unter dem Diktat der Kommerzialisierung des weiblichen Körpers. Das mag man schön finden, aber am Ende ist es inhaltsleer und belanglos. Damit nimmt uns der Künstler in die Pflicht, uns darüber klar zu werden, ob wir diesem Diktat folgen wollen oder ob wir in der Lage sind, uns ein eigenes Bild der Welt zu machen. Daß es eben anders sein kann, verkörpert die kreative Frauenfigur. Einerseits vertritt sie im allgemeinen symbolisch eine der vielen Arbeiterinnen der ehemaligen Zigarrenfabrik, andererseits personifiziert sie das Gegenbild, das uns die Medien vorgeben. 

Dabei spielt es auch keine Rolle, ob uns die vorliegende Arbeit nun optisch gefällt oder nicht gefällt. "Des isch awa schee" ist nunmal keine Kategorie, auf die es in der Kunst ankommt. Im besten Fall regt es die Gedanken und Gemüter an und hilft uns, uns über die Welt an sich und wie wir sie sehen klar zu werden.  Mit ihrem kraftvollen nackten Körper zieht sie die Aufmerksamkeit auf sich. Der Passant ist überrascht. Ist das die sichtbare reale Welt? Die scheinbare Welt der Medien sieht aber anders aus. „Wach auf“, will die ausdrucksvoll komponierte Skulptur, den Betrachter mit ihren Augen folgend, auffordern. Flor Sumenho will demnach die Frauen nicht verhöhnen, sondern sie ohne launenhaften Eigenheiten erhöhen. Mehr Realitätsnähe geht kaum.

Wir möchten es ermöglichen, dass in Karlsdorf-Neuthard kontrovers über Kunst und Kultur diskutiert wird und zwar miteinander und nicht übereinander. Als Staatsbürger können wir es nicht hinnehmen, dass Kunstwerke beschädigt werden oder deren Zerstörung angedroht wird. Noch können wir Versuche der politischen Einflussnahme hinnehmen, solange es heißt: "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. (...)"

Kunst lebt vom Austausch und Inspiration. Wir unterstützen diese Diskussion ausdrücklich und möchten sie gerne weiter befördern. Wir laden alle engagierten Interessenten herzlich dazu ein, am 18. Juli um 19:30 zu unserer Versammlung in den Räumen der Muks in Karlsdorf zu kommen und mit uns allen über Kunst und "Wider die Kommerzialisierung weiblicher Ästhetik" zu diskutieren. Wir würden uns außerordentlich freuen!

   
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